Eingangsbereich 2010

(Quelle: Wikipedia)

Der Marinefliegerstützpunkt Nordholz (früher: NATO-Marineflugplatz Nordholz) ist ein Flugplatz der Deutschen Marine in Nordholz.

Anschrift

Marinefliegerstützpunkt Nordholz
Peter-Strasser-Platz 1
27639 Wurster Nordseeküste

Vor dem 1. Weltkrieg

Karte des Luftschiffplatzes vom 19.12.1916

(Quelle: Wikipedia)

Bereits am 1. April 1910 berichtet das Cuxhavener Tageblatt über die Absicht des Reichsmarineamtes (RMA), bei Cuxhaven ein Luftschiffdock zu errichten. Tatsächlich sucht die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven, die mit der Planung beauftragt ist, in den Jahren 1911 und 1912 nach einem geeigneten Standort für einen Luftschiffhafen. Wieder ist es das Cuxhavener Tageblatt, das am 12. Dezember 1912 berichtet: Cuxhaven wird Luftschiffstation. Diese Entscheidung war aufgrund einer „Denkschrift des Werftdepartements über die Anlage von Luftschiff- und Flughäfen“ vom 12. Dezember 1912 gefallen. Den Zuschlag für Cuxhaven erteilte der damalige Preußische Staatsminister, Großadmiral Alfred von Tirpitz, mit der Randbemerkung „einverstanden“. Am 17. Dezember 1912 entscheidet sich das RMA für Nordholz als günstigsten Standort bei Cuxhaven und genehmigt den Ankauf von Flächen in den Gemarkungen Wanhöden, Spieka, Cappel-Neufeld, Midlum und Deichsende-Nordholz in einer Größe von ca. 800 ha, später 1.000 ha.
Von April bis Juni 1913 verlegen Soldaten des Eisenbahn-Regiment No. 2 aus Berlin-Schöneberg ein Gleis vom Nordholzer Bahnhof in den Bereich des Luftschiffhafens. Gleichzeitig beginnen die Bauarbeiten an der Doppeldrehhalle NOBEL, der Gasanstalt, den Unterkünften und der Funkentelegraphie-Station . Am 3. Mai 1913 verfügte Kaiser Wilhelm II. die Aufstellung der Marine-Luftschiff-Abteilung. Im „Kinder-Ferienheim Nordholz“, einer seit 1910 nicht belegten Anlage östlich des Nordholzer Bahnhofs, quartiert die Marineverwaltung im Jahre 1914 Soldaten ein. In dieser zunächst angemieteten Anlage werden zeitweise bis zu 1.800 Soldaten untergebracht. Außer dem Hallen Norbert und Nora handelte es sich jeweils um Doppelhallen; die letze wurde 1918 fertiggestellt. In 1916 bekam Nordholz die Luftschifferschule von Hamburg überwiesen.

1. Weltkrieg

Luftbild des Zeppelinhafens von 1918

(Quelle: Wikipedia)

Am 2. August 1914 trifft ein erstes Kontingent Soldaten aus Hamburg zur Bewachung der im Bau befindlichen Drehhalle NOBEL ein. Der erste Teil dieser Halle ist am 20. August 1914 fertiggestellt, am 21. August 1914 dreht sie sich zum ersten Mal.
Das erste Marineluftschiff LZ 24 (L 3) trifft am 2. September 1914 zur vorzeitigen Einweihung der Halle Nobel in Nordholz ein. Damit stellt dieses Datum den Beginn des Flugbetriebes auf dem Luftschiffplatz Nordholz dar. Im gleichen Monat ist Baubeginn für die Hallen HINDENBURG (später NORBERT) und NORA. Das Gaswerk produziert inzwischen 10.000 m³ Wasserstoffgas täglich (gegen Ende des Krieges bis zu 30.000 m³). Am 14. Oktober 1914 verlegt der Stab der Marine-Luftschiffabteilung von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Nordholz und nimmt hier am 17. Oktober die Arbeit auf. Am 6. November 1914 ist auch die zweite Hälfte der Drehhalle NOBEL fertiggestellt und voll einsatzbereit, inzwischen sind auch die Luftschiffe L 5 und L6 in Nordholz stationiert.

Am 25. Dezember 1914 erfolgt der so genannte Weihnachtsangriff, der einzige Luftangriff dieses Krieges auf Cuxhaven. Kurioserweise ging dieser Angriff von See aus und führte über Cuxhaven hinweg auf den Luftschiffhafen Nordholz. Dieser Angriff war auch der erste Angriff von einem „Flugzeugträger“ überhaupt. Die beiden auf das Gaswerk abgeworfenen Bomben richteten keinen Schaden an. Dennoch wird zur Sicherung des Luftschiffhafens im Jahre 1915 eine Fliegerstation mit Jagdflugzeugen eingerichtet, Abwehrgeschütze und Maschinengewehre werden aufgestellt.

L23 kapert norwegische Bark von Enno Kleinert

(Quelle: Wikipedia)

Im Januar und Februar 1915 werden die Einzelhallen NORA und NORBERT mit je 186 m Länge fertiggestellt und belegt. Im August 1915 ist Baubeginn für die Doppelhalle NORMANN (244 m Länge), im folgenden Jahr für die je 260 m langen Doppelhallen NORDSTERN (Fertigstellung 3. März 1918) und NOGAT (Fertigstellung 8. August 1918). Die Halle NORMANN wird am 24. April 1916 fertiggestellt und am 29. April 1916 durch L 23 belegt. Am 30. Mai 1916 wird mit L 30 erstmals ein Großkampfschiff (55.000 m³) in Nordholz stationiert. Es belegt eine Hälfte der Halle NORMANN. An der Überführungsfahrt dieses Luftschiffes nimmt auch Graf Zeppelin teil; es sollte seine letzte Fahrt mit einem Luftschiff sein.
Am 6. August 1918 erfolgt der letzte Geschwaderangriff des Krieges von Nordholz aus. Dabei wird das Luftschiff L 70 mit dem Führer der Luftschiffe, Fregattenkapitän Strasser, über England abgeschossen.
Das letzte in Dienst gestellte Luftschiff der Marine, L 71, landet am 11. August 1918 in Nordholz und bleibt hier bis zum 3. Oktober 1918 stationiert. Der letzte Kriegseinsatz von Luftschiffen geht durch LZ 110 (L 63) am 12. Oktober 1918 von Nordholz aus.

Zwischen den Kriegen

Mit dem Kriegsende am 11. November 1918 wurden die fünf in Nordholz verbliebenen Luftschiffe in den Hallen aufgehängt und entgast. „Flugstation wird mit dem 26. April 1919 aufgelöst“ meldet das Cuxhavener Tageblatt am 2. Mai 1919. Am 23. Juni 1919, zwei Tage nach dem Untergang der Deutschen Flotte in Scapa Flow zerschnitten die Marine-Soldaten die Halteseile und zerstören die in den Hallen untergebrachten Luftschiffe. Die Meldung der Marine-Luftschiffer-Abteilung: „Luftschiffabteilung ist mit dem heutigen Tag mit Flaggenparade aufgelöst worden“ erreicht Berlin am 11. Januar 1920.

Im Jahr 1921 beginnen die Abbrucharbeiten an den Hallen, lediglich die Funkstation bleibt noch bis 1936 für die Handelsschifffahrt in Betrieb. In den Unterkünften finden rund 1.200 Vertriebene aus Westpreußen und Posen zunächst eine neue Bleibe. Die Anlage am Feuerweg wird erneut als Kinderheim genutzt. Die freien Flächen des Luftschifferplatzes werden landwirtschaftlich genutzt. Im Jahre 1924 gründen die Siedler mit dem Ende der Abrissarbeiten auf dem Gelände des Luftschiffhafens die Gemeinde Wursterheide und wählen ihren ersten Gemeinderat.

Die zivile Besiedlung des ehemaligen Luftschiffhafens endet im Laufe des Jahres 1937. Es beginnt der Aufbau des Luftwaffenflugplatzes Nordholz unter dem Decknamen `Neckar´ und eines Scheinflugplatzes in Midlum-Kransburg. Auch das Kinderheim am Feuerweg wird ab 1939 erneut durch die Marine genutzt. Es beherbergt nun eine Seemaschinen-Inspektion und ein Lazarett. Auch eine Pipeline vom Minensucherhafen in Cuxhaven zum Flugplatz ist inzwischen errichtet worden.

2. Weltkrieg

Karte des Flugplatzes 1944

(Quelle: Wikipedia)

Im September 1939 ist der Flugplatz so weit fertiggestellt, dass die II. Gruppe des Jagdgeschwaders 77 mit 40 Flugzeugen des Typs Me 109 hier stationiert werden und bei Kriegsausbruch den Flugbetrieb aufnehmen kann.
In der Folgezeit wechselt die Belegung des Flugplatzes des öfteren. Bekannt ist, dass zunächst Me 110 des Zerstörergeschwaders 26 „Horst Wessel“ (in Nordholz umbenannt in Jagdgruppe 126) bis zum 5. November 1939 in Nordholz stationiert waren. Die folgende Einheit, die Trägergruppe (Jagd) 186 wird in Nordholz umbenannt in II./JG 77. Vom 8. April bis zum 12. April 1940 waren 15 Maschinen vom Typ Heinkel 111 in Nordholz stationiert, von denen man annimmt, dass sie Einsätze gegen Norwegen geflogen haben.
Nach der II. Gruppe des JG 1 „Richthofen“, die vom 15. März bis zum 10. Mai 1940 in Nordholz stationiert war, folgt eine Zeit, in der anscheinend kein Flugbetrieb stattfand, zumindest nicht mit Jagdflugzeugen. Auf dem Platz waren u.a. stationiert:

  • ein Wachkommando Nordholz,
  • die Flakscheinwerfertransportbatterie 3/112,
  • die 10. Kompanie der Luftnachrichtenabteilung 63,
  • zwei Flugzeuge der Zieldarstellungsstaffel 102 vom Typ Gotha Go 145,
  • Reichsarbeitsdienst und
  • div. Marine-Artillerie-Einheiten.

Von März bis Juni 1943 lagen dann wieder Me 109 der III. Gruppe des Jagdgeschwaders 54 „Grünherz“ in Nordholz. Teile der Jagdgeschwader 26 und 11, die wochenweise in Nordholz liegen, werden abgelöst von der III. Gruppe des Jagdgeschwaders „Schlageter“.
Ab Oktober 1943 finden sich zum ersten Mal Nachtjäger vom Typ Ju 88 in Nordholz, und zwar Teile des Nachtjagdgeschwaders 3, ab Januar 1945 ergänzt durch Teile des Jagdgeschwaders 400.
Zum Schutz des Platzes wird auf dem Flugplatz ab dem Sommer 1944 auch die 1. Batterie der leichten Flakabteilung 762 stationiert, die zunächst mit 3,7cm-Geschützen, später mit Zwei-Zentimeter-Flugabwehrkanonen ausgestattet ist.
Von Nordholz aus findet im April 1945 der einzige Überlandflug des ersten strahlgetriebenen Flugzeuges der Welt, der Me 163, genannt „Kraftei“, statt. Dies geschah im Rahmen der Verlegung des Jagdgeschwaders 400 von Nordholz nach Husum.

Bereits einen Tag vor der Kapitulation der in Norddeutschland stationierten Streitkräfte der Deutschen Wehrmacht werden am 4. Mai 1945 von der Luftwaffe alle militärisch bedeutsamen Anlagen gesprengt.

Nach dem 2. Weltkrieg

Der Flugplatz Nordholz auf einer britischen Luftaufnahme vom 7. April 1945. Etwa bei der Gebäudeansammlung in der linken oberen Ecke befindet sich der heutige Haupteingang.

(Quelle: Wikipedia)

Nach kurzer englischer Besetzung wird der Flugplatz am 5. Juni 1945 von amerikanischen Einheiten belegt und instandgesetzt. Unter anderem wird hier die 406th Fighter Group mit Flugzeugen vom Typ „Thunderbolt“ stationiert. Das Kinderheim am Bahnhof wird als Quartier für das 311. US-Infanterieregiment genutzt.
Diese Einheit räumt das Kinderheim am 18. März 1946. Die Anlage wird an das Deutsche Rote Kreuz übergeben. Im November 1946 gibt die US-Air Force auch den Flugplatz auf, die Startbahn und andere militärische Anlagen werden gesprengt. Im ehemaligen Unterkunftsbereich errichtet das Deutsche Rote Kreuz am 11. Oktober 1947 die „DRK-Krankenanstalten Wursterheide“. In den Jahren von 1947 bis 1949 wird das Flugbetriebsgelände in wesentlichen Teilen demontiert und einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. Am 4. Januar 1957 untersucht die Bundesmarine das ehemalige Flughafengelände auf seine Tauglichkeit für Verteidigungszwecke. Diese führt dazu, dass ab 1958 die Gebäude, die vom DRK als Krankenhaus und Lungenheilstätte genutzt werden, frei gemacht werden müssen. Diese Gebäude stehen der Bundeswehr ab dem 1. Februar 1963 zur Verfügung. Auch die auf dem Flugplatz untergebrachten Flüchtlingsfamilien müssen anderweitig untergebracht werden.
Am 7. August 1958 wird auch das ehemalige DRK-Krankenhaus Nordholz-Deichsende erneut vom Bund erworben, um in dieser Liegenschaft den abgesetzten „Führungsbereich“ für die Marineflieger zu errichten.
Im Jahre 1959 beginnen die ersten Baumaßnahmen für den NATO-Marineflugplatz Nordholz.

Nutzung durch die Bundeswehr

Am 21. März 1963 verlegt das Marinefliegergeschwader 2 von Schleswig nach Nordholz, obwohl das Flugplatzgelände erst am 28. März von der damaligen Bundesvermögensstelle mit einer „vorläufigen“ Übergabeverhandlung an die Standortverwaltung Cuxhaven übergeben wird. Der Marinefliegerhorst Nordholz wird dann am 26. April 1963 durch den Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Zenker, in Dienst gestellt.
Am 1. Juli 1964 wird die Aufstellung des Marinefliegergeschwaders 3 befohlen. An diese Einheit geht der Marinefliegerhorst offiziell am 15. Januar 1965 über. Nach der Aufnahme des Flugbetriebes mit den Flugzeugmustern „Seahawk“ und „Fairy Gannet“ landet zum ersten Mal am 15. Juli 1965 ein Flugzeug vom Typ Breguet 1150 Atlantic, noch als Prototyp, in Nordholz, während die erste Maschine dieses Typs mit deutschen Hoheitsabzeichen am 26. Januar 1966 in Nordholz landet.
Ab dem 9. Juli 1967 führt das Marinefliegergeschwader 3 den Zusatz „Graf Zeppelin“ als Traditionsnamen, verliehen durch Bundespräsident Heinrich Lübke.
Vom 1. Juli 1980 bis zum 16. Juni 1982 sind auch amerikanische Soldaten in Nordholz stationiert. Sie betreiben eine provisorische Radarstellung, bis ihre Stellung, der FACP (Forward Air Control Post) Wanna, fertiggestellt ist. Für amerikanische Verstärkungskräfte, die Nordholz als COB (= combat operation base ) nutzen, werden Munitionslagerhäuser und Rollwege einschließlich Flugzeugabstellflächen in den Jahren 1980 und 1981 erbaut.
Seit dem 1. Oktober 1981 gehören die Bordhubschrauber „Sea Lynx MK 88“ zum Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“. Hierfür ist eine 3. Staffel eingerichtet worden.
Ab dem 14. März 1993 werden die so genannten COB-Anlagen durch die US-Streitkräfte nicht mehr benötigt und gehen in die Verfügungsgewalt des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ über.
Im Jahr 1994 werden die DO-Komponenten des Marinefliegergeschwaders 5 aus Kiel nach Nordholz verlagert. Von zunächst vier Maschinen DO 228 (zwei als Transportmaschinen, zwei als LM-Version) sind bis heute (2010) die beiden LM-Versionen verblieben (LM = System zur Luftgestützten Überwachung von Meeresverschmutzungen).
Am 2. Juli 1998 wird mit der Flughafenbetriebsgesellschaft Cuxhaven/Nordholz ein Vertrag über die zivilgewerbliche Mitbenutzung des NATO-Marinefliegerhorstes unterzeichnet.
Im Jahr 2006 wird die erste P-3C Orion als Nachfolgerin für die Breguet Atlantic in Dienst gestellt. Die Breguet Atlantic in der Version als Seefernaufklärer (MPA) wird 2007 außer Dienst gestellt, der letzte Flug in der SIGINT-Version findet am 20. Juni 2010 statt.
In den Jahren 2011/2012 wurden zwei Flugsimulatoren für Sea-Lynx- und für Sea-King-Hubschrauber installiert, auf denen deutsche, dänische, niederländische und norwegische Piloten geschult werden.
Von Juni bis November 2012 wurde das Marinefliegerschwader 5 aus Kiel-Holtenau nach Nordholz verlegt; beide jetzt in Nordholz stationierten Geschwader wurden dem am 8. November 2012 auf dem Marinefliegerstützpunkt aufgestellten Marinefliegerkommando unterstellt.


Bilder

Übersichts-Luftbild des Luftschiffhafens

(Quelle: Wikipedia)

Dreh-Doppel-Luftschiffhalle Nobel

(Quelle: Wikipedia)

Dreh-Doppel-Luftschiffhalle Nobel

(Quelle: Wikipedia)

Zeppelin beim Ein- oder Ausparken vor der Dreh-Doppel-Halle Nobel

(Quelle: Wikipedia)

Gaswerk des Zeppelinflughafens

(Quelle: Wikipedia)

Ein Gaslager des Zeppelinflughafens

(Quelle: Wikipedia)

Weiteres Luftbild des Flugplatzes 1945

(Quelle: Wikipedia)

Quelle: Wikipedia

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